Aus diesem Becher trinke ich nicht: Hygiene und Abendmahl

Das Abendmahl hat Einzug gefunden in die Gottesdienste. Wurde es vor einigen Jahrzehnten nur zu besonderen Tagen, vor allem Karfreitag und Konfirmationen gefeiert, so ist es heute wieder fester Bestandteil vieler Gottesdienste. Als Zeichen für die Gemeinschaft mit Gott und untereinander ist es vielen wieder sehr ans Herz gewachsen. Gleichzeitig bleiben immer mehr Gemeindeglieder in den Bänken sitzen. Die Vorstellung, mit vielen aus einem Kelch zu trinken, schreckt manche und manchen ab. Dabei gibt es eigentlich wenig Anlass zur Sorge. Verschiedene Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Nutzung der Abendmahlskelche hygienisch unbedenklich ist.

Einzelkelche

Am Deutlichsten in der Nutzung von Einzelkelchen. Hier erhält jede und jeder einen eigenen kleinen Kelch. In der Stift-Kirchengemeinde wird das Abendmahl im monatlichen Wechsel mit dem Gemein-schaftskelch gefeiert. Dabei ist es üblich, den Inhalt des Kelchs gleich nach Erhalt zu trinken und den leeren Kelch anschließend auf das vom Kirchenvorstand gereichte leere Tablett zu stellen. Damit entgeht man dem „Zuprosten“ in der Runde. Die liturgisch passende Antwort auf die Spendeworte: „Christi Blut für dich vergossen“ ist übrigens „Amen“- auf hebräisch „Ja ich glaube!“

Gemeinschaftskelch

Aber auch beim Einsatz des Gemeinschaftskelchs besteht kein Grund zur Sorge.

Keimtötendes Silber

Die Kelche sind innen aus Silber, dieses Metall hat eine keimtötende Eigenschaft und wird als Silberjodid etwa auch in Trinkwasseraufbereitungstabletten eingesetzt.

Drehung der Kelche durch die Austeilenden

Die Austeilenden drehen zusätzlich den Kelch beim Weitergeben so weit, dass jeweils ein bisher unberührter Teil des Kelchrands angeboten wird. Beim Austeilen erlebe ich allerdings gelegentlich, dass Besucher selber auf die Idee kommen, den Kelch ein Stück zu drehen. Damit machen sie häufig die Bemühungen der Austeilenden wieder zunichte. Der Kelch wird oft zurückgedreht.

Desinfektion durch Alkohol

Nach jeweils vier bis sechs Nutzern (je nach Größe des Kelchs) wird der Gemeinschaftskelch dann als weitere Maßnahme mit einer 98%igen Alkohollösung desinfiziert. Zur Orientierung der Austeilenden haben die alten Kelche unserer Kirchen Markierungen im Kelchfuß, etwa die Kanten und die aufgesetzten Kreuze (siehe Foto).

Nicht erwünscht: Intinktion

In den letzten Jahren hat sich eine weitere Form verbreitet, die sogenannte Intinktion. Dabei wird die Oblate in der Hand gehalten, bis der Kelch kommt und dann in den Wein bzw. Saft eingetaucht und gegessen. Diese Form ist aus hygienischer Sicht tatsächlich die problematischste und ist darum in der Stiftskirche nicht erwünscht. Auf der Oberfläche der Hände bewegen sich die meisten Keime. Diese werden beim Halten der Oblate auf diese übertragen und dann beim Eintauchen teilweise an den Saft oder Wein abgegeben. Auch die dabe in den Saft fallenden Krümel sind für nachfolgende Nutzerinnen und Nutzer unangenehm.

Saft oder Wein?

In allen Gemeinden unserer Region wird heute das Abendmahl ausschließlich mit Traubensaft gefeiert. So nehmen wir Rücksicht auf alle, die aus gesundheitlichen Gründen auf Alkohol verzichten. Anders als zu Zeiten Jesu haben wir auch außerhalb der Erntezeit die Möglichkeit, Saft ohne Gärung zu konservieren.

Alle sind eingeladen!

Zum Abendmahl sind alle getauften Mitglieder unserer Gemeinden eingeladen. Das schließt selbstverständlich auch Kinder ein. Im Sakrament von Brot und Wein erleben wir Gottes Geschenk der Gemeinschaft und der Vergebung. Dieses muss und kann man sich nicht durch Wissen oder korrektes Verhalten verdienen. Auch wer ausgetreten ist, ist zum Abendmahl geladen, sollte dann aber auch so konsequent sein, die eigene Exkommunikation durch den Wiedereintritt wieder rückgängig zu machen. Die Teilnahme am Abendmahl, die Kommunion, ist ein deutliches Zeichen, dass man wieder zur Kirche, dem Leib Christi gehören möchte. Darum: Seht und schmeckt, wie freundlich unser Gott ist! Kommt, denn es ist alles bereit!