Konfirmandenunterricht am Sonntag

1. Die Idee

Die Stifts-Kirchengemeinde hat mit durchschnittlich ca. 60 KonfirmandInnen pro Jahr in der Konfirmandenarbeit einen Tätigkeitsschwerpunkt. Für die Unterrichtenden sind Dienstag und Donnerstag Nachmittag komplett durch Unterricht blockiert.

Der große Anteil von KonfirmandInnen am Sonntagsgottesdienst führt immer wieder zu Störungen, da vielen der KonfirmandInnen der Zugang zu dieser „Pflichtveranstaltung“ fehlt. Zusätzliche Angebote wie spezielle Jugendgottesdienste haben hier etwas Entlastung gebracht, führen aber zu einer weiteren Trennung der Gemeinde.

Neue Konzepte in der Arbeit sind daher wünschenswert. Das in Neustadt praktizierte Modell des Konfirmanden-Ferien-Seminars ist für die Gemeinde nicht praktikabel, da für die großen Konfirmandenzahlen ein eigenes Seminar organisiert werden müsste. Dafür fehlen die hauptamtlichen MitarbeiterInnen. Wir legen Wert darauf, den Jugendlichen die kontinuierliche Begleitung während der Pubertät zu gewähren, auch wenn das für die inhaltliche Arbeit gelegentlich hinderlich ist. Gerade während der Ablösung von der Familie wollen wir verlässliche Gesprächspartner sein und so den Glauben und die Gemeinde als Grundlage zur Bewältigung des eigenen Lebens kommunizieren.

Die Kampagne für den Erhalt des Sonntags als Feiertag hat sich weitgehend auf die Einschränkung der Sonntagsarbeit beschränkt. Eine positive Füllung dieses Tages war nicht Teile der Kampagne. Eine Stärkung des Sonntags als Tag des Gottesdienstes im Bewusstsein der Gemeinden ist für die langfristige Sicherung notwendig.

Konfirmandenunterricht am Sonntag bietet sich aus verschiedenen Gründen an.

Die Konzentration des Unterrichts auf den Sonntagvormittag intensiviert die Gemeinschaft der Konfirmandengruppe. Sie sind nicht mehr nur eine Stunde, sondern regelmäßig über einen Block von gut vier Stunden zusammen. Der Gottesdienstbesuch erfordert keinen zusätzlichen Termin in der Gemeinde, sondern ist Teil des Unterrichts. In der Einheit vor dem Gottesdienst können Teile des Gottesdienstes erarbeitet bzw. angedacht werden. So ist eine Besprechung des Predigttextes ebenso vorstellbar wie die Erarbeitung von Fürbitten oder Lesungen. Von der intensiven Vorbereitung verspreche ich mir eine stärkere innere Beteiligung am Gemeindegottesdienst. In einer zweiten Arbeitseinheit nach dem Gottesdienst ist dann ggf. Nacharbeit möglich, vor allem aber die Erarbeitung des klassischen KU-Stoffs.

Die Nutzung des Sonntags als Unterrichtstag stärkt die Wahrnehmung als Gottes-Tag. Der Kirchenvorstand erhofft sich von diesem Modell einen Einstieg in eine stärkere Ausgestaltung dieses Tages als Gemeindetag. Unter dem Stichwort „Sonntag im Stift“ soll langfristig versucht werden, den Schwerpunkt der Gemeindearbeit auf diesen Tag zu verlagern.

Die Ausgestaltung setzt weiterhin auf eine jugendgemäße, erlebnisorientierte Arbeit. Dazu gehören ein gemeinsames Frühstück vor dem Gottesdienst, spielerische und anschauliche Elemente. Die bewährten Phasen der aktiven Mitarbeit in bestehenden Gemeindegruppen (Gemeindepraktika) und eine Wochenendfreizeit zu Beginn der Konfirmandenzeit sollen ebenfalls erhalten bleiben.

Wünschenswert ist eine Einbeziehung der Eltern. Insbesondere bei der Gestaltung des Frühstücks ist dies niedrigschwellig möglich. Eine inhaltliche Einbeziehung ist denkbar und bei guter Akzeptanz des Modells (mehr als eine Unterrichtsgruppe) unerlässlich.

Ziel des Konfirmandenunterrichts ist es, den KonfirmandInnen das Gefühl der Zugehörigkeit und Mitverantwortung für die Gemeinde zu vermitteln.

2. Zur Umsetzung

  • Der Unterricht soll ca. 14-tägig stattfinden. Der Unterrichtsplan wird sich, so weit möglich nach dem Gottesdienstplan des Unterrichtenden richten, damit noch freie Sonntage z.B. für Vertretungen, Tausch, Erholung bleiben.
  • Beginn ist um 8:30 Uhr mit einer Stunde Unterricht. In dieser Stunde geht es schwerpunktmäßig um den Gottesdienst des Tages (Predigttext, Lesungen, Gebete). So oft wie möglich soll dabei Material für den folgenden Gottesdienst erarbeitet und anschließend von den KonfirmandInnen eingebracht werden.
  • Um 9:30 Uhr schließt sich eine Frühstückspause an. Dieses wird reihum durch die Eltern vorbereitet, damit der Unterrichtende sich auf den Gottesdienst einstellen kann.
  • Die Gruppe geht dann geschlossen um 10 Uhr in den Gottesdienst.
  • Um 11:15 Uhr schließt sich eine Doppelstunde Unterricht an. In dieser geht es dann um die klassischen Unterrichtsthemen.
  • Um 13:00 Uhr ist dann normalerweise der Unterricht beendet. Bei entsprechender Mitarbeit der Eltern oder anderer ehrenamtlicher MitarbeiterInnen könnten sich gelegentlich ein gemeinsames Mittagessen und eine erlebnisorientierte Ausgestaltung des Nachmittags anschließen.
  • Eltern und KonfirmandInnen erhalten frühzeitig eine Übersicht über die geplanten Unterrichtssonntage, um auch den Familien ausreichende Planungssicherheit zu ermöglichen. (Zu Beginn des Unterrichts im September liegen alle Termine bis zu den folgenden Sommerferien fest)
  • Hilfreich erscheint die besondere Situation der Stifts-Kirchengemeinde mit zwei vollen Pfarrstellen. Langfristige Terminplanung ist so ohnehin notwendig. Die große Zahl der Konfirmandinnen und Konfirmanden setzt das Angebot weiterer Termine nach anderen Modellen voraus.

3. Vorteile:

  • intensive Gottesdienstarbeit: Die KonfirmandInnen  absolvieren nicht eine Anzahl von Pflichtgottesdiensten, sondern der Gottesdienst ist Teil des Unterrichts. Predigttexte, Gebete u.ä. werden regelmäßig im Unterricht vorbereitet.
  • Sonntagsstärkung: das Konzept passt gut zu dem Modell „Sonntag im Stift“. KonfirmandInnen und ihre Familien lernen den Sonntag als Gemeindetag kennen (und schätzen?). Eine Ausweitung um diesen Kern ist denkbar., z.B. durch ein begleitendes inhaltliches Programm für die Eltern.
  • Familieneinbindung, für die Gestaltung des Frühstücks ist die Mitwirkung der Eltern unerlässlich, da zwischen Unterricht und Gottesdienst für den/die Gestaltenden eine Pause sein muss. Z.T. nehmen dadurch auch verstärkt Eltern am Gottesdienst teil.
  • Gemeinschaft wird gefördert durch lange gemeinsame Zeit und Mahlzeiten. Eine weitere Steigerung durch erlebnisorientierte Nachmittagsaktionen ist denkbar.
  • Einer der beiden Konfirmandentage in der Woche fällt für die Unterrichtenden weg. Diese Entlastung darf selbstverständlich nicht mit anderen Aktivitäten gefüllt werden.
  • Das Modell ist gut geeignet, um den Konfirmandenunterricht auch bei Ausweitung des Nachmittagsunterrichts gemeindenah anzubieten.
  • Für viele Konfirmandinnen und Konfirmanden ist der Sonntag der einzige Tag ohne feste Termine. Viele sind daher gerne bereit, sich auf diese Zeit einzustellen.

4. Nachteile:

  • Sonntage sind für Unterrichtende sehr festgelegt.
  • Die Planung der Unterrichtstermine ist nicht mehr für den gesamten Kurs im Voraus möglich, da sie die Absprache über den Gottesdienstplan voraussetzt
  • Gottesdienstvertretungen nach außen und von außen werden erschwert.
  • Das Modell steht in Konkurrenz zu Vereinen und anderen Freizeitaktivitäten. Es kommt nicht für alle KonfirmandInnen eines Jahrgangs in Frage (z.B. durch regelmäßige Überschneidung mit Wettkämpfen).
  • Das Modell ist, ohne die Einbeziehung weiterer, ehrenamtlicher Unterrichtender nur mit einer Gruppe (maximal 22) durchzuführen. Werden weitere Unterrichtende einbezogen, bindet deren Vorbereitung weitere Arbeitszeit, die in anderen Arbeitsfeldern eingespart werden müsste.
  • Die große Nachfrage macht ein Auslosen der Plätze in dieser Gruppe nötig.