IX. Die Eduard-Meyer-Orgel

Abbildung 27Die derzeitige Orgel in der Stiftskirche zu Wunstorf ist nicht die erste Orgel in der Kirche. Es gab schon einige Vorgänger-Orgeln, sogar wird ein Organist schon aus der Zeit des 14. Jahrhunderts erwähnt, aber leider gibt es nur wenige Angaben, da die meisten Orgel-Unterlagen der Stiftskirche bei der Klosterkammer im 2. Weltkrieg verbrannt sind. Einem Zeitungsbericht zum 100-jährigen Geburtstag der Orgel ist zu entnehmen, dass es - laut dem damaligen Superintendenten Dr. Cordes und dem damaligen Stadtkantor Sasse aus Hannover -  eine zwei-manualige Vorgänger-Orgel von 1678 vom hannoverschen Orgelbauer Vatter gab. Ebenso wird dort beschrieben, dass es im Jahre 1831 Dispositionsvorschläge für eine neue Orgel des Orgelbauers Wilhelm Meyer aus Hannover gab.
Im Jahre 1859 wurde in der Stiftskirche dann die jetzt vorhandene Orgel von Hoforgelbauer Eduard Meyer, einem Sohn Wilhelm Meyers, mit erweiterter Disposition erbaut. In den Jahren 1853-59 wurde auch eine Restaurierung der Stiftskirche durchgeführt. In diesem Zusammenhang baute Eduard Meyer auf der Westempore die Orgel mit 34 Stimmen, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Die Einweihung der Orgel fand am Trinitatis - Sonntag 1859 im Rahmen der Wiedereinweihung der Kirche statt.
Im Jahre 1917 mussten, wie bei vielen anderen Orgeln, die zinnernen Prospektpfeifen zu Kriegszwecken abgegeben werden.
1926 erhielt die Orgel ein elektrisches Gebläse.
In den Jahren 1938/39 fand ein Umbau und eine Erweiterung der Orgel statt, die im Zuge der sog. Orgelbewegung klangliche Auswirkungen mit sich brachte. Einige Streicher- oder grundtönige Register von 1859 wurden entfernt und mit dem gerade vorherrschenden Zeitgeschmack höher liegender Klänge ausgetauscht beziehungsweise um 4 Register erweitert, besonders im III. Manual. Die Arbeiten wurden von der Firma Emil Hammer aus Hannover ausgeführt.
An der Orgel nagte aber weiterhin der Zahn der Zeit und Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mussten wieder Reparaturen durchgeführt werden, damit das Instrument spielfähig blieb.
1987-89 wurde dann eine Renovierung der Orgel, ebenfalls wieder von der Firma Emil Hammer aus Hannover, durchgeführt. Im Rahmen dieser Renovierung wurde die Orgel vom Holzwurmbefall befreit, die Traktur wurde überarbeitet. Besonders muss erwähnt werden, dass die 1917 abgegebenen Prospektpfeifen, die durch Pfeifen aus Zink ersetzt worden waren, jetzt neu in Zinn angefertigt wurden, ebenso wie die Becher der Trompete 8’ im I. Manual.
Die Orgel der Stiftskirche, deren Grundbestand von 1859 zum größten Teil noch existiert, ist jeden Sonntag im Gottesdienst und im Rahmen der Reihe „Alte Musik Wunstorf“ auch bei Konzerten zu hören. Ebenso dient sie zahlreichen Orgelschülern als beste Lehrmeisterin.
 

Abbildung 28Die Disposition der Eduard- Meyer-Orgel (III / Ped / 37)

1859 Eduard Meyer          o
1938/39 Emil Hammer    n
1987-89 Emil Hammer    r

I. Manual / C D - f’’’

Principal 8’ (Prospekt)    r
Principal 16’                     o
Bordun 16’                        o
Quinte 2 2/3’                     n
(urspr. Doppelflöte 8’,     o)
Rohrflöte 8’                       o
Quintadena 8’                  o
Octav 4’                             o
Gemshorn 4’                   o
Oktav 2’                             o
Mixtur  IV-VI                       n
Trompete 8’                     o / r Becher

II.Manual C D- f’’’

Principal 8’                       o
Quintadena 16                o
Sifflöte 1 1/3                     n
(urspr. Gambe 8’,            o)
Gemshorn 8’                    o
Schalmey 4’                      n
(urspr. Gedact 8’,             o)
Rohrflöte 4’                       o
Octav 4’                              o
Waldflöte 2’                       o
Scharff IV                           n
(urspr. Kornett II-IV,          o)

III: Manual CD-f’’’’ (urspr. nur 4 Register)

Gedact 8’                           o
Koppelflöte 4’                   n
(urspr. Geigenpr. 8’,        o)
Rohrnasat 2 2/3              n
(urspr. Salicional 8’,       o)
Sifflöte 1’                          n
(urspr. Salamine 4’,       o)
Octav 2’                            n
Zimbel III                          n
Krummhorn 8’                n
Pedal C-d’
Principal 8’                      o
Violon 16’                        o
Weitflöte 2’                      n
(urspr. Violon 8,             o)
Subbaß 16’                    o
Mixtur IV                           n
(urspr. Flötenbaß 8’,     o)
Trompete 4’                    n
(urspr. Quinte 10 2/3,    o)
Bordun 8’                        o
Octav 4’                           o
Posaune 16’                  o
Trompete 8’                   o

Gehäuse:                       o
Windladen                     o
Technische Anlage      o/n/r
Windsystem                  o/n