Musikalisches Können und persönliche Überzeugung gehören für ihn zusammen
Wunstorf. Mit 14 Jahren entschied sich Jan Katzschke für zwei Dinge, die seinen weiteren Lebensweg bestimmen sollten: den Glauben und die Musik. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Am Sonntag wurde der gebürtige Neustädter in einem festlichen Gottesdienst offiziell als neuer Stiftskantor in Wunstorf eingeführt. Superintendent Rainer Müller-Jödicke und Pastor Thomas Gleitz begleiteten die Einführung in der Stiftskirche.
Dass Glaube und Musik für Katzschke zusammengehören, hatte Müller-Jödicke schon bei der Lektüre seines Bewerbungsschreibens festgestellt. Darin berichtet der Kirchenmusiker nicht nur von seiner Entscheidung als Jugendlicher. Er nennt auch die Theologie als eines seiner Hobbys. Eine eher ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung für einen Musiker, der sich ohnehin schon beruflich intensiv mit dem Glauben beschäftigt.

Musikalisch ist Katzschke im Neustädter Land längst kein Unbekannter. Hier ist er aufgewachsen, hier hat er schon als Schüler Konzerte organisiert und hier ist er nach vielen Berufsjahren in Sachsen wieder zu Hause. Nach seinem Kirchenmusikstudium in Hannover arbeitete er rund zwei Jahrzehnte in verschiedenen sächsischen Gemeinden, zuletzt über längere Zeit in Dresden. Heute leitet er unter anderem die Stadtkantorei an der Neustädter Liebfrauenkirche und den von ihm gegründeten Kammerchor Neustädter Land.
Dass er nun auch die musikalische Verantwortung an der Wunstorfer Stiftskirche übernimmt, freut nicht nur den Superintendenten. Das Bewerbungsverfahren sei für kirchliche Verhältnisse geradezu sportlich verlaufen, erinnerte Müller-Jödicke. Schließlich habe man gewusst, dass auch andere Interesse an dem erfahrenen Kirchenmusiker hatten. Noch vor den Sommerferien stand die Entscheidung fest.

Dabei war das Auswahlverfahren durchaus anspruchsvoll. Neben den Gesprächen standen ein Orgelvorspiel und eine gemeinsame Probe mit der Stiftskantorei auf dem Programm. Besonders das Vorspiel an der großen Orgel blieb Müller-Jödicke in Erinnerung. Nach Einschätzung der beteiligten Kirchenmusikdirektorin hatte sich Katzschke eines der schwierigsten Werke ausgesucht, die man auf einer Orgel spielen kann. Für den Superintendenten war das Vorspiel schlicht „ein absoluter Genuss“.
In seiner Predigt ging Müller-Jödicke allerdings weit über die musikalischen Fähigkeiten des neuen Kantors hinaus. Ihm ging es um das, was Musik zwischen Menschen bewirken kann. Wer gemeinsam singt oder musiziert, muss aufeinander hören, Rücksicht nehmen und sich auf andere einstellen. Aus einzelnen Stimmen entsteht etwas Gemeinsames. Eine Erfahrung, die nach Ansicht des Superintendenten weit über den Probenraum hinausreicht.
Auch im Glauben spiele Musik eine besondere Rolle. Sie könne Menschen begeistern, Trost spenden und ihnen helfen, Freude oder Trauer auszudrücken. Im Segensgebet bat Müller-Jödicke darum, dass Katzschke mit seiner Musik „das Evangelium verkündet, unsere Herzen anrührt und uns anleitet zu Klage oder Lobgesang“.

Dass die Freude über den neuen Kantor groß ist, zeigte sich auch bei der Gemeinde. Reinhard Bruns, Vorsitzender des Kirchenvorstands der Stiftskirchengemeinde, dankte allen Beteiligten für die schnelle Wiederbesetzung der Stelle. Besonders hob er die Unterstützung durch den Kirchenkreis und den Kirchenkreisvorstand hervor. Nach nur einem halben Jahr sei es gelungen, wieder einen festen Kantor zu gewinnen. Applaus gab es dafür ebenso wie ein gemeinsames Ständchen: Mit „Viel Glück und viel Segen“ begrüßte die Gemeinde ihren neuen Kirchenmusiker, bevor der selbst wieder an die Orgel wechselte.
Ganz neu ist Jan Katzschke in Wunstorf allerdings nicht mehr. Bereits Anfang Oktober hat er seine Arbeit aufgenommen. Beim Bach-Kantatenabend zum Erntedankfest war er erstmals in seiner neuen Funktion zu erleben. Künftig wird er neben der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste die Stiftskantorei leiten und die Konzertarbeit an der Stiftskirche weiterentwickeln. Seine bisherigen Chorprojekte in Neustadt führt er fort.
Für die Kirchenmusik im Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf bedeutet die Berufung auch eine engere Verbindung zwischen den musikalischen Angeboten der Region. Und für die Stiftskirchengemeinde beginnt ein neues Kapitel, bei dem eines schon jetzt deutlich ist: An musikalischen Ideen und Können dürfte es ihrem neuen Kantor nicht mangeln.
Fotos: Mirko Bartels