Die älteste Grabplatte (ca 1200)
Zunächst ein paar grundlegende Hinweise zu den Grabplatten und Epitaphien in der Stiftskirche: Seit dem 10. Jahrhundert wurde Laien und Geistlichen, die sich um die Kirche besonders verdient gemacht hatten, das Privileg zuteil, in oder nahe an einer Kirche beerdigt zu werden. Dahinter stand die Hoffnung, in der Nähe des Altars die Fürbitte einer dankbaren Klostergemeinschaft oder Gemeinde bzw. des Heiligen, dessen Reliquien im Altar aufbewahrt wurden, für das eigene Seelenheil erlangen zu können. Ursprünglich lagen die meisten Grabplatten unmittelbar auf der ausgeschachteten Grabkammer in einer Ebene mit dem Fußboden und bedeckten weite Flächen des Kircheninneren. Aus Raumnot wurden später viele Grabplatten senkrecht an den Wänden aufgerichtet. In der Stiftskirche geschah dies vor allem während der umfassenden Restaurierung der Jahre 1853 - 1859. Im Unterschied zur Grabplatte ist das Epitaph (griechisch: "zum Begräbnis gehörig" im Sinne der Totenehrung) ein von Anfang an vom Begräbnisort getrenntes Gedächtnismal. Es sollte an die Verstorbenen erinnern und wurde an den Innen- und Außenwänden der Kirchen angebracht.
Die älteste Grabplatte der Stiftskirche stammt aus der Zeit um 1200. Vor wenigen Jahren wurde sie an der Nordseite des Turms geborgen und mit Sarkophagresten in das Stiftsinnere umgelagert. Die trapezförmige Steinplatte zeigt im Halbrelief ein romanisches Vortragekreuz, wie es bei Prozessionen verwendet wurde. Der halbrunde Bogensockel, auf dem dieses Vortragekreuz steht, gilt in der christlichen Ikonographie als Symbol für den Kreuzigungsort Christi, den Hügel Golgatha. Höchst ungewöhnlich sind die beiden wurzelartigen Auswucherungen am unteren Stabende. Hat der mittelalterliche Bildhauer damit vielleicht das Vortragekreuz als im Erdreich verwurzelten "Baum des Lebens", als Symbol also einer lebendigen Auferstehungshoffnung darstellen wollen? Auf der Grabplatte befindet sich keine Inschrift, die auf die Person der oder des Verstorbenen hinweist. Die qualitätvolle Gestaltung und Oberflächenbearbeitung des Steins, nicht zuletzt auch der kirchennahe Begräbnisort deuten aber darauf hin, dass hier nicht irgendwer, sondern eine sich um das Wunstorfer Stift verdient gemachte Persönlichkeit beerdigt wurde.
Epitaph des Hans Freitagh
In diesem Bereich der Kirche findet sich auch eines der größten Epitaphe der Stiftskirche. An der Westwand ist das steinerne Epitaph von Hans Freitagh aufgehängt. Mit 2,85 m Höhe ein gewaltiger Stein. Im Giebel des Steins sind die drei Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe dargestellt (Beschriftung: FIDES, SPES, CHARITAS). Im Mittelfeld findet sich ein Relief der Familie unter dem Kruzifix mit dem Spruchband "Erbarme dich meiner o Herre Gott". In der Sockeltafel ist sogar die Uhrzeit des Todes festgehalten: (in Umschrift) "Anno 1576, den 29. November um 10 Schläge vor Mittag ist der edele und ehrenwerteste Hans Freitagh seliglich in dem Herrn entschlafen. Dessen Seele Gott gnädiglich sei. Amen."
Die Säulenkapitelle
Die Säulen der Stiftskirche zeichnen in ihren Bildern den Weg von der jüdischen Synagoge zur christlichen Kirche nach. So finden sich auf den Kapitellen der beiden westlichsten Säulen eine stilisierte Menorah und auf der südlichen Seite das Liliensymbol. Die Lilie schmückte nach 1. Könige 7, 13-21 die Säulen "Jachin" und "Boas" vor dem Tempel in Jerusalem. Diese Symbole des jüdischen Tempels bilden den Ausgangspunkt des Bilderwegs durch die Stiftskirche. Die Säulen zeichnen so den Weg Jesu nach. Auch er ist als Jude geboren und nach jüdischen Gesetz beschnitten worden. Ganz selbstverständlich hat die jüdische Tradition für die Erbauer der Kirche eine tragende Rolle bei der Entstehung der christlichen Kirche gespielt.
Die Orgel
Natürlich hat man auch von der Südseite des Mittelschiffs einen guten Rückblick auf die Orgel.
