Freude an dem, was gewachsen ist und was wir ernten dürfen. Das erleben die Stifts-Konfis schon in den Wochen vor dem Erntedankfest bei ihrer Apfelernte. Von Wunstorfs Streuobstwiesen sammeln sie die reifen Früchte und lassen sie mosten. Den köstlichen und von der Säure her sehr milden Apfelsaft geben sie gerne im Anschluss an den Erntedankgottesdienst gegen eine Spende an die Gemeinde ab. Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr wollen sie ihr Ernteziel auf eine halbe Tonne verdoppeln.
Den Gottesdienst zum Erntedankfest am 4.10. bereichert wieder Albrecht Drude mit seinem Kinderchor. Geistliche und herbstliche Lieder üben die Kinder extra für diesen Sonntag ein.
Auch für die Kuchenliebhaber hat die Gemeinde etwas im Angebot: frischer Apfelkuchen und Kaffee werden im Anschluss an den Gottesdienst gereicht, ebenfalls gegen Spende. Schon jetzt laden wir herzlich ein und freuen uns auf munteren Plausch und regen Austausch.
Was geschieht eigentlich mit den Gaben?
Nichts soll umkommen. Dankbarkeit bedeutet auch achtsamen Umgang mit den Erntegaben. Alles was verwertet werden kann, kommt anschließend der Wunstorfer Tafel zugute. Damit aus Gottes guten Gaben Gutes für andere Menschen werden kann. Und die Lebensmittel nicht in den Müll kommen. Weil in unserem Land schon viel zu viel Essen weggeworfen wird – statistisch 53 kg pro Person im Jahr.
Erntedank – ein heidnisches Fest wird christlich
Erntedankfeste gibt es seit ca. 5000 Jahren in Nordeuropa, Ägypten, Griechenland und dem Römischen Reich. Das erste Erntedankfest in der Bibel feiern Kain und Abel mit Feldfrüchten und einem jungen Lamm (1.Mo 4). Israel feierte gleich mehrere Erntefeste zur Getreideernte und zur Weinlese. Die Christen übernahmen den Brauch und integrierten ihn in ihren Glauben. Frühe Erntedank-Formen entstehen im 3. Jh. n.Chr. in der westlichen Kirche. Offizielle kirchliche Erntedankfeiern sind ab dem 8. Jh. aus der Zeit Pippins d.J., dem Vater Karls des Großen, belegt. Weil Erntedank sich nicht auf Jesus bezieht, hat es keinen festen Termin. Der Durchbruch für das heutige Erntedankfest war eine königlich-preußische Verordnung von 1773: Sie legte als Termin den ersten Sonntag nach Michaelis fest und beschrieb den bis heute typische Schmuck des Kirchenaltars mit Erntegaben. Seit rd. 50 Jahren wird den Gemeinden der erste Sonntag im Oktober empfohlen, verbindlich ist er aber nicht. Manche Gemeinden feiern am letzten Sonntag im September, Moselgemeinden feiern das Fest nach der Weinlese am zweiten November-Sonntag.
Martin Luther verbindet 1529 das Erntedankfest mit seinen Erläuterungen zur 4. Bitte im Vaterunser (Unser täglich Brot gib uns heute): „Wenn du das tägliche Brot nennst und darum bittest, so bittest du um alles, was dazugehört, das tägliche Brot zu bekommen und zu genießen … Denn wenn Gott es nicht wachsen ließe, segnete und auf dem Lande erhielte, würden wir nie ein Brot aus dem Backofen nehmen noch auf den Tisch zu legen haben.“